Khaøs
Da ich im Vorfeld das neue Album «Risen» schon ein paar Mal am Ohr hatte, wusste ich was kommt, aber noch nicht mit welcher Intensität der wuchtige Studio-Sound auf die Bühne übertragen werden konnte. Im Gegensatz zur Vorgruppe standen hier nun zwei Gitarristen auf der Matte und das hörte man sofort. Die Live-Verstärkung mit Antonio Princiotta (übrigens der Bruder von Doro-Klampfer Luca Princiotta) ergänzte das virtuose Spiel von Mainman Mark Rossi ungemein. Des Weiteren agierte mit Nic Angileri (b) und Trevor Franklin (d) eine exzellente Rhythm-Section und das berühmte Tüpfelchen auf dem „i“ war eben Chandler Mogel. Besser hätte man diese Kombination nicht bilden können, denn seine Stimme passt perfekt zu diesem opulenten wie melodiösen Rocksound, dem teilweise ein leicht moderner Touch anhaftet. Vibes der härteren Nickelback gehen mir dabei auch nicht aus dem Sinn und vor allem die Balance der laut/leise Parts innerhalb der Songs ist stets hoch wie melodiös. Das zeichnet den charakteristischen Sound von Khaøs aus, der natürlich bei aller Lieblichkeit immer noch viel zu hart für das Mainstream-Radio ist. Doch das ist gut so, denn wenn man sich mal die Soundwand des Album-Openers «After The Silence» oder zum Beispiel das Brett von «Crisis Factor» anhört, wo gar Disturbed anklingen, dann wird klar, dass dies so nur in den entsprechenden Rock- und Metal-Sendungen gespielt wird. Doch dagegen gibt es ja eigentlich ein probates Mittel, nennt sich Ballade und findet sich auf «Risen» jedoch nur in der halbballadesken Ausführung bei «Exalted», «Hung The Moon» und «As Far As We Go». Somit sieht es wirklich schlecht für den reinen Mainstream aus, doch auf den sind Khaøs eh nicht aus. Vielmehr soll es rocken und das tat es beim erst zweiten Gig dieser Formation reichlich. Da passte einfach alles und das gefiel auch den leider viel zu spärlich aufmarschierten Fans, dessen Anzahl deutlich unter 100 Nasen war. Ein Typ davon ging sogar völlig in der Musik auf und bangte sich unmittelbar vor der Bühne fast den Schädel vom Hals runter! Bei «Ride The Chain Theme» gewährte die Band ihrem Sänger eine kurze Verschnaufpause und legte ein instrumentales Müsterchen der solistischen Fähigkeiten aufs Parkett, ehe es danach wieder mit Power und Pepp weiter ging. Je länger Khaøs spielten, desto mehr malte ich mir in Gedanken aus, wie dieser fette Sound wohl auf einer grossen Festival-Bühne, zum Beispiel beim Sweden Rock, klingen würde. Dass es dies täte, steht ausser Frage, nur bleibt die Frage, wie diese tolle Band in der Zukunft wahr genommen wird. Da das öffentliche Radio hier keine Hilfestellung bietet, bleibt das Ganze etwas im Untergrund hängen, aber ich bin überzeugt, dass wir von dieser Gruppe noch einiges hören und sehen werden. Solange sich Mogel Chandler mit den Begehrlichkeiten von Outloud zurecht findet, geht auch die Geschichte von Khaøs weiter und versinkt dann eben nicht im „Chaos“. Verdient hätten sie es alleweil und mal sehen, wie dereinst ein weiteres Album klingen wird und die Musikszene hoffentlich ein weiteres Mal aufhorchen lässt. Nach gut achtzig durchgespielten Minuten war schliesslich ohne das übliche Zugabegebaren Schicht im Schacht, und die überzeugende Darbietung konnte dem professionellen Studio-Eindruck von «Risen» locker das Wasser reichen, was keine Selbstverständlichkeit ist!

Setliste: «Intro» - «Distress Signal» - «Hated» - «After The Silence» - «Exalted» - «Crisis Factory» - «Reason To Die» - «Ride The Chain Theme (mit Soli)» - «Imagined Danger» - «As Far As We Go» - «The Breathing Room» - «Static Windows» - «End Of Daze» - «Perfect Future».